In den letzten 20 Jahren haben sich Teeliebhaber auf der ganzen Welt immer mehr für Bio entschieden.
Doch trotz dieses wachsenden Interesses sind Bio-Produkte nach wie vor teurer als ihre konventionellen Gegenstücke.
Als Tee-Profi im direkten Kontakt mit deinen Kunden musst du dich in vielen Situationen „erklären“. Und eine der häufigsten Fragen lautet: Warum ist Bio-Tee teurer als konventioneller Tee?
Kurz gesagt, machen 3 Faktoren Bio-Tee teurer:
- Er ist teurer in der Herstellung,
- Die Importkosten sind höher,
- Die Aromastoffe sind teurer.
Schauen wir uns jeden dieser Gründe im Detail an …
Inhaltsverzeichnis
ToggleBio-Tee ist teurer in der Herstellung.
Das ist der Hauptfaktor.
Bio-Tee ist in der Herstellung schlicht teurer. Und zwar aus diesen Gründen:
- Anbaumethoden: Beim Bio-Teeanbau wird auf Pestizide, Herbizide und chemische Dünger verzichtet. Stattdessen setzen die Bauern auf natürliche Lösungen wie Bio-Kompost. Diese Methoden erfordern mehr Arbeit und Zeit, was die Produktionskosten erhöht.
- Geringerer Ertrag: Ohne synthetische Dünger und Pestizide können Bio-Betriebe nicht so viel Tee pro Hektar erzeugen. Die Bauern müssen daher oft mehr Fläche und Ressourcen einsetzen, um den gleichen Ertrag wie konventionelle Betriebe zu erzielen.
- Zertifizierungskosten: Um ihren Tee als Bio kennzeichnen zu dürfen, müssen die Bauern ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen, Dokumentation und laufende Gebühren, die die Einhaltung der Bio-Standards sicherstellen. Diese Kosten summieren sich und wirken sich am Ende auf den Preis aus.
- Handarbeit: Anders als konventionelle Betriebe, die chemische Unkrautbekämpfung einsetzen können, müssen Bio-Betriebe das Unkraut oft von Hand entfernen. Das bedeutet mehr Handarbeit und damit höhere Gesamtkosten.
- Faire Arbeitsbedingungen: Das gilt natürlich nicht für alle Marken, aber manche verpflichten sich zu den Prinzipien des fairen Handels. Das sorgt für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für die Pflückerinnen und Pflücker und führt zu höheren Personalkosten.
Importeure tragen höhere Kosten pro importierter Einheit.
Importeure kaufen und transportieren Bio-Produkte in kleineren Mengen als konventionellen Tee.
Der Konsum von Bio-Produkten ist von Land zu Land unterschiedlich. In den meisten westlichen Ländern macht er aber etwa 12 bis 15 % des Lebensmittelkonsums aus. Die importierten Mengen konventioneller Produkte sind also 6- bis 8-mal so hoch wie die von Bio-Produkten.
Stell dir vor, du importierst Tee aus China nach Europa. Ob du einen vollen Container transportierst oder nur 1/6 davon, spielt kaum eine Rolle: Der Verwaltungsaufwand und die Kosten für die Lebensmittelsicherheitsanalysen bleiben nahezu gleich. Pro importiertem Kilo fallen diese Kosten beim Bio-Produkt also stärker ins Gewicht.
Aromen sind teurer.
Der letzte Grund betrifft nur aromatisierte Tees.
Seit 2022 schreibt das EU-Recht Teelieferanten vor, Tees mit „FTNF“-Stoffen zu aromatisieren. Kurz gesagt: Die Aromastoffe, mit denen Tees und Kräutertees aromatisiert werden, müssen aus der Frucht selbst stammen.
Nehmen wir das Beispiel Vanille:
Vanille enthält von Natur aus Vanillin, die wichtigste organische Verbindung, die für den Vanillegeschmack sorgt.
Natürlich kann man Vanillearomen herstellen, indem man das Vanillin aus Vanilleschoten gewinnt. Man kann Vanillin aber auch aus anderen Quellen gewinnen, etwa aus bestimmten Baumarten. Das ist immer noch eine natürliche Quelle, stammt aber nicht mehr aus Vanilleschoten.
Okay, aber woher muss das Vanillin stammen, damit ein Tee in Europa als Bio gekennzeichnet werden darf?
Jetzt wird es spannend …
Vor 2022 durften Teelieferanten natürliche Aromen mit Vanillegeschmack verwenden, die nicht unbedingt aus Vanilleschoten stammten. Andere natürliche Quellen (wie Baumessenzen) waren erlaubt.
Seit 2022 muss der Geschmack aus der Vanille selbst gewonnen werden, wenn dein Tee als Bio-Produkt mit Vanillegeschmack gelten soll. Diese Art von Aroma nennt man „FTNF“.
FTNF steht übrigens für „From The Named Fruit“ (aus der namensgebenden Frucht).
Einerseits sind FTNF-Aromen großartig, denn du weißt genau, woraus sie gewonnen wurden.
Aber diese Aromen kosten ein Vermögen.
Und bei manchen Geschmacksrichtungen ist der Preisanstieg enorm. Zum Beispiel beim Bergamottearoma, das bis zu 5-mal so viel kosten kann wie die natürlichen Aromen, die Teelieferanten vor der EU-Verordnung von 2022 für Bio-Tees verwendet haben.
Dasselbe gilt für exotische Geschmacksrichtungen wie Mango oder für rote Früchte wie Erdbeere und Himbeere. Sie sind unglaublich teuer.
Und das schlägt sich im Endpreis nieder.
Ein letzter Gedanke.
Wenn du das nächste Mal Bio-Tee nachbestellst, denk daran: Du zahlst für mehr als nur ein Zertifikat.
Von nachhaltigen Anbaumethoden bis zur Art der verwendeten Aromen steckt in jeder Charge Bio-Tee eine Menge. Das führt zu einem höheren Preis, der sich nicht vermeiden lässt, aber er spiegelt das Engagement wider, Tee zu produzieren, der gut für die Konsumenten und letztlich besser für den Planeten ist.


